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27.1.26

Museen und Sammlungen

Was bleibt? – Die Zeit der Merowinger

Sonderausstellung im Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken

(lmw) Noch bis zum 29. März 2026 widmet sich das Museum für Vor- und Frühgeschichte in Saarbrücken in seiner neuen Sonderausstellung Was bleibt? Die Zeit der Merowinger einer ebenso bedeutenden wie wenig bekannten Epoche der saarländischen Geschichte. Rund 300 Jahre – vom 5. bis zum 8. Jahrhundert – prägte das fränkische Königsgeschlecht der Merowinger große Teile West- und Mitteleuropas. Unter ihnen entstand das mächtige Frankenreich. Nur wenige Schriftquellen sind aus dieser Zeit überliefert – was bleibt, sind vor allem die Spuren der Bestattungskultur. Grabfunde wie feingearbeiteter Goldschmuck, kunstvoll verzierte Waffen und Trachtbestandteile erzählen von gesellschaftlichen Rollen, Hierarchien und religiösen Vorstellungen.

Goldscheibenfibel aus Wittersheim, Grab 4.Goldscheibenfibel aus Wittersheim, Grab 4. (Museum für Vor- und Frühgeschichte, Saarbrücken)
© Hans-Georg Merkel / Stiftung Saarländischer Kulturbesitz

„Die Merowingerzeit ist ein faszinierendes Kapitel unserer Geschichte, das aufgrund der geringen Quellenlage oft im Schatten anderer Epochen steht“, sagt Lisa Felicitas Mattheis, kunst- und kulturwissenschaftliche Vorständin der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. „Mit dieser Ausstellung möchten wir die Machtverhältnisse sowie die sozialen und religiösen Veränderungen im heutigen Saarland in dieser Epoche für die Besuchenden erlebbar machen.“

Der Blick auf die Bestattungskultur eröffnet die Möglichkeit, die tiefgreifenden gesellschaftlichen Umbrüche der Zeit genauer zu beleuchten. Besonders interessant ist dabei der Wandel von heidnischen zu christlichen Glaubensvorstellungen, der sich in der Bestattungspraxis widerspiegelt.

„Im Gegensatz zum menschlichen Körper, der dem Verfall unterworfen ist, überdauern viele Dinge, die Menschen mit ins Grab gegeben werden, die Jahrhunderte. Die Auswahl der Beigaben und der Ausstattung gibt dabei Hinweise auf Identität(en), die der Körper selbst nicht mehr kommunizieren kann“, so Dr. Julia Linke, Kuratorin der Ausstellung und Sammlungsleitung am Museum für Vor- und Frühgeschichte.

Die Ausstellung präsentiert neben zentralen Objekten aus dem Bestand der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz auch zahlreiche bedeutende Leihgaben – darunter Funde des Landesdenkmalamts Saarland, des Historischen Museums der Pfalz in Speyer und der Generaldirektion Kulturelles Erbe / Rheinisches Landesmuseum Trier. Alle Stücke stammen aus dem Gebiet des heutigen Saarlands.

„Was bleibt?“ geht der Frage nach, was über Jahrhunderte erhalten bleibt – materiell, aber auch ideell. Es ist eine Einladung, das Frühmittelalter in dieser Region neu zu entdecken und den Menschen zur Zeit der Merowinger auf faszinierende Weise näherzukommen.

Die Merowinger (5. – 8. Jahrhundert)
Fast 300 Jahre herrscht das Königsgeschlecht der Merowinger über große Teile West- und Zentraleuropas. Die frühen Merowinger sind Anführer fränkischer Kriegertruppen, die nach dem Untergang des Weströmischen Reiches in Gallien zu Macht gelangen und sich „Könige“ nennen.

Childerich und nach ihm sein Sohn Chlodwig I. sind im 5. Jahrhundert solche Kleinkönige im Gebiet um die heute belgische Stadt Tournai. Sie stammen aus der Familie der Merowinger, benannt nach dem mythischen (Ur)Großvater Merowech. Vor allem unter Chlodwigs Herrschaft vergrößern die Merowinger ihr Herrschaftsgebiet und das von ihnen begründete Frankenreich etabliert sich als frühmittelalterliche Großmacht. Um sein Reich zu regieren, benötigt der merowingische König die Unterstützung der Kirche. Bischöfe hatten bereits während dem Untergang des Römischen Reiches maßgebliche Verwaltungsaufgaben in den Städten übernommen. Die katholische Taufe Chlodwigs um 500 ist sicherlich (auch) ein politischer Zug.

Eine Bedrohung der Dynastie ergibt sich aus den fränkischen Erbfolgeregelungen. Das Reich geht nicht an den ältesten Sohn, sondern wird unter allen männlichen Erben aufgeteilt. So kommt es nach dem Tod eines Königs immer wieder zu Reichsteilungen und Machtkämpfen, die die Herrschaft der Merowinger schwächen.

In der Folge gewinnt das Amt des Hausmeiers an Einfluss. Die Hausmeier sind eigentlich Verwalter der Regierung, werden aber schließlich mächtiger als die Herrscher selbst – die wiederum zu „Schattenkönigen“ degradiert werden. Neben der merowingischen entstehen so weitere „Hausmeier“-Dynastien. Durch den Papst bestätigt wird schließlich der Hausmeier Pippin im Jahr 751 zum König der Franken und löst den letzten König der Merowinger ab. Es beginnt die Zeit der Karolinger.

Aber was passiert in dieser Zeit im Saarland und welche Auswirkungen hat die „Weltgeschichte“ auf die Menschen, die hier leben?

Das Saarland zur Zeit der Merowinger
Das Saarland liegt in einem der Kernbereiche des merowingischen Teilreichs Austrasien mit Hauptstadt Metz. An den Flüssen wie Blies, Saar und Prims liegen Ländereien, die weitgehend unter unmittelbarer königlicher Kontrolle stehen.

Chlodwig I. und seine Söhne siedeln offenbar gezielt unter anderem fränkische Bevölkerungsgruppen in diesen Regionen an, um sie zu sichern. Das betrifft vor allem strategisch wichtige Orte an Verkehrsknotenpunkten und ehemaligen befestigten Stätten. Bei den Siedler*innen handelt es sich wohl vorwiegend um Getreue des Königs, die sich militärisch verdient gemacht hatten, mit ihren Gefolgsleuten. Der merowingische König überträgt ihnen Land wohl als Lohn für ihre (Ver-)Dienste.

Im 7. Jahrhundert werden erstmals drei Gaue (regionale Verwaltungseinheiten) im Bereich des Saar-Mosel-Raums schriftlich erwähnt: Metzgau (Pagus Mettensis, 610/11), Seillegau (Pagus Salnensis, 661 bzw. 682/3) und der Obere Saargau (Pagus Saroensis, 699); der Bliesgau (Pagus Blesinsis) folgt 796

Ausgefeilte Techniken
Für die Herstellung und Verzierung von Metallgegenständen kommen im Frühmittelalter verschiedene Techniken zum Einsatz. Vor allem bei Fibeln besonders beliebt ist die Cloisonnée- Technik. Dabei lötet der Goldschmied ein feines Zellwerk aus Gold oder Silber auf eine Grundfläche. Die Zwischenräume werden mit Folie und ab dem 7. Jahrhundert mit einer Kittmasse gefüllt und anschließend mit Halbedelsteinen (wie Almandinen) oder Glas besetzt. So entstehen wunderbar farbige Schmuckstücke.

Tauschierungen sind eingehämmerte Drähte aus andersfarbigen Metallen (etwa Silber oder Messing), vorwiegend in Eisenobjekten wie Gürtelbeschläge oder Schwertgriffe. Die Technik erreicht im Frühmittelalter ihre Blüte. Belegt sind Tauschierungen allerdings schon weitaus länger, zum Beispiel auf früheisenzeitlichen Waffen der Hallstattkultur oder auch im Römischen Reich.

Vor allem bei Schwertern findet die Damaszierung Anwendung. Dafür verbindet der Schmied mindestens zwei verschiedene Arten von Stahl miteinander, faltet und dreht sie zu einem Stab ein (Tordierung). Mehrere solche tordierte Stäbe formen die Klinge. Diese Technik verbessert in erster Linie die Härte und gleichzeitig die Elastizität der Klinge. An den Rändern verstärken Seitenleisten die Schneide. Nachdem die Klinge in mehreren Schritten abgeschliffen und poliert wurde, sind zudem glänzenden Muster auf ihr zu erkennen.

Führungen
Jeden 2. Sonntag, 16 Uhr
Kosten: 3,00 EUR zzgl. Eintritt

    im Detail:  
Icon obenPexels, Ksenia Chernaya   siehe auch:  
     

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