Projekt kulturer.be
4.5.26
(emf) Das Erkenbert-Museum Frankenthal zeigt im Mai als Objekt des Monats in der Stadtbücherei einen Produktkatalog sowie die dazugehörige Preisliste der Porzellanmanufaktur F.W. Wessel (1949–1958).
Produktkatalog sowie die dazugehörige Preisliste der Porzellanmanufaktur F.W. Wessel (1949–1958)
Objekt und Foto: Erkenbert-Museum Frankenthal
Friedrich Wilhelm Wessel betrieb zunächst ein Unternehmen im Maschinen- und Gerätebau im thüringischen Rudolstadt. Nach den massiven Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs gründete er im Jahr 1949 eine neue Porzellanfabrik in der Mahlastraße 35 in Frankenthal, welches bereits im 18. Jahrhundert für bedeutende Porzellanherstellung bekannt war. Trotz dieses traditionsreichen Hintergrunds orientierte sich Wessels Produktion nicht unmittelbar an dem historischen Frankenthaler Porzellan aus der Ära Carl Theodors. Stattdessen setzte er auf eigene Formgestaltungen und verwendete darüber hinaus Modelle aus den Fabriken in Volkstedt-Rudolstadt und Passau. Kennzeichnend für seine Erzeugnisse sind vor allem aufwendig gearbeitete Spitzenverzierungen. Ein wichtiger Unterschied zu dem bis heute hochgehandelten „alten“ Frankenthaler Porzellan des 18. Jahrhunderts findet sich in der Zielgruppe: Während das barocke Porzellan exklusive Prestigeobjekte für Adel und Vermögende darstellte, produzierte Wessel eher eine Art „gehobener Massenware“ in einer preislichen Spannbreite, die auch einem kleineren Geldbeutel entgegen kam.
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Im Vergleich zu den klassischen Versandkatalogen großer Handelshäuser fällt das kleinformatige Heftchen im Format 21 x 15 cm freilich sehr gering aus: Es zeigt auf 47 Seiten insgesamt 50 Schwarz-Weiss-Fotografien, die das Sortiment der Manufaktur illustrieren. Die „Preisliste 1A – Figuren und Gruppen“ danebenliegend zeigt, was die zahlende Kundschaft für das „Weiße Gold“ zu entrichten hatte. In Kombination dürften Katalog und Liste sowohl im Handel selbst ausgelegen haben, wie auch als Offerte an mögliche Zwischenhändler vesandt worden sein.
Als historische Quellen erweisen sich die beiden Objekte als besonders wertvoll: Die Prduktnummern entsprechen nämlich exakt den Pressmarken, die sich am Boden des jeweligen Erzeugnisses finden und ermöglichen somit dessen zweifelsfreie Indentifizierung. Die Preisliste gewährleistet dabei nicht nur die korrekte Handelsbezeichnung, z.B. eines „Kavalier[s] mit Blumenstrauß, Nr. 874“, sondern nennt auch dessen Einzelhandelspreis von 19,60 DM.
Weitere Informationen zum Objekt und seiner Geschichte sind auf der Webseite des Erkenbert-Museums unter
www.frankenthal.de/erkenbert-museum (Menüpunkt „Objekt des Monats“) zu finden.
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| Pexels, Ksenia Chernaya |
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